Viele Websites sind für Menschen mit Sehbehinderung kaum nutzbar. Dabei kann schon mit einfachen Mitteln viel erreicht werden, um Screenreader-Nutzern das Leben leichter zu machen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deine Website screenreaderfreundlich gestaltest, technisch, inhaltlich und strukturell.
Blinde oder stark sehbehinderte Menschen nutzen Screenreader, um sich Inhalte vorlesen zu lassen. Wenn deine Website nicht korrekt strukturiert ist, wird sie unverständlich oder gar unbrauchbar. Digitale Barrierefreiheit ist nicht nur ethisch richtig, sie ist auch rechtlich relevant.
Ein Screenreader liest HTML-Code zeilenweise aus und wandelt diesen in Sprache um. Dabei orientiert er sich an der semantischen Struktur einer Seite. Deshalb ist es essenziell, die richtigen HTML-Elemente zu verwenden und auf klare Gliederung zu achten.
Verwende H1 bis H6 sinnvoll und in richtiger Reihenfolge. Screenreader-Nutzer navigieren oft nur über die Überschriften. Ein gut gegliederter Inhalt hilft ihnen, sich zu orientieren und schneller zu finden, was sie brauchen.
FALSCH: alt="Bild123.jpg"
RICHTIG: alt="Porträt eines lächelnden Mannes mit Brille am Schreibtisch"
Dekorative Bilder kannst du mit alt="" versehen, damit sie vom Screenreader ignoriert werden.
Formularfelder brauchen klare Labels, idealerweise mit dem label-Tag verknüpft. Platzhaltertexte allein reichen nicht aus. Verwende aria-required="true" für Pflichtfelder und gib Feedback zu Eingabefehlern nicht nur visuell.
Mit ARIA (Accessible Rich Internet Applications) kannst du zusätzliche Hinweise für Screenreader geben, etwa role="navigation", aria-live, aria-expanded oder aria-describedby. Aber: ARIA ist kein Ersatz für sauberes HTML – nur ein Zusatz.
Buttons, Menüs oder Tabs sollten mit der Tastatur bedienbar sein. Nutze für klickbare Elemente immer "button" statt "div" oder "span". Achte darauf, dass der Fokuszustand deutlich sichtbar ist – visuell und technisch.
Verwende "table" nur für echte tabellarische Daten, nicht fürs Layout.
Nutze "thead", "tbody", "th" und scope-Attribute. Bei Listen: Nutze echte "ul" oder "ol" mit klar gegliederten "li"-Einträgen.
Es gibt mehrere Tools, mit denen du deine Seite prüfen kannst:
- NVDA (Windows, kostenlos)
- VoiceOver (Mac/iOS, integriert)
- JAWS (Windows, kostenpflichtig)
- axe DevTools oder WAVE (Browser-Plugins)
Teste deine Seiten regelmässig, nicht nur mit visuellen Hilfen, sondern auch per Tastatur und Screenreader.
Eine screenreaderfreundliche Website ist ein Zeichen von Respekt und Professionalität. Schon kleine Anpassungen in Struktur, Code und Inhalt können grosse Wirkung für Menschen mit Einschränkungen haben. Denk immer daran: Digitale Barrierefreiheit ist kein Sonderfall – sie betrifft uns alle. Und sie beginnt bei dir.
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